Acht Musiker bei Wolfgang Bernreuthers Blues Revue / Mitreißende Reise durch die Musikgeschichte
Meckenhausen (pse) Für den durchschnittlichen Bluesfreund ist eine Schulturnhalle nicht unbedingt Garant für eine authentische Konzertatmosphäre. Dem Gitarristen Wolfgang Bernreuther dagegen versetzte der Schauplatz des Abschlusskonzerts der Kult-Tour schlagartig die adäquate Schwermut: „Als ich vorhin drüben in dem Abstellraum war, hab ich die blauen Turnmatten mit den braunen Ecken liegen sehen, und die traumatischen Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend sind wieder hochgekommen – da war ich gleich wieder im richtigen Blues-Feeling.“
Das Publikum in der immerhin zu drei Vierteln besetzten Meckenhausener Mehrzweckhalle zögerte nicht lange, versetzte sich ebenfalls in Blues-Stimmung, vergaß die Bodenmarkierungen und Basketballkörbe und ließ sich vom ersten Song an mitreißen.
Zunächst ist Bernreuther, der Geschichtenerzähler, noch alleine mit seiner Steelguitar. Doch Rudi Bayer, sein „musikalischer Zwillingsbruder“ am Bass, ist nicht fern. Zwei Blutsbrüder, die sich leidenschaftlich durch die Sümpfe Louisianas, die ursprünglichen Wurzeln des Blues, spielen. Und immer mehr Freunde schließen sich dem insgesamt achtköpfigen Treck durch die amerikanische Musikgeschichte an. Tom Feiner, hauptberuflicher Ergotherapeut und passionierter Bluesharp-Springteufel, stellt sich mit einer bemerkenswerten Version des Work Song, halb gesungen und halb mit der Harmonika gespielt, vor.
Robert Seitz ist auch nicht eben ein Stillsitzer. Tatsächlich schafft er das, was nur die wenigsten Tastenmänner überzeugend können: Er hantiert, springt, tanzt hinter seinem Fender Rhodes und den anderen ihn umgebenden Klaviaturen, als wäre der Leibhaftige persönlich hinter ihm her, und ringt dem Instrument ganz nebenbei noch ein grandioses Solo ab.
(…) Bernreuther erzählt die Geschichte vom liebestrunkenen Rundlauf an der Tischtennisplatte, Tom Feiner springt von der Bühne und klettert mit der Mundharmonika durchs Publikum.
Und bei all den gebrochenen Herzen, die im Laufe dieses Abends besungen wurden, bleibt doch eines zurück: der Blues, ein gutes Gefühl. Man trifft sich immer zweimal im Leben, immer an Crossroads, und vielleicht ja wirklich auf dem Weg nach Westen. Get your kicks on Route 66 – die letzte Zugabe, dann ist die Kult-Tour 2004 vorbei. Schön war’s.